Dachfonds

Zu den Hochzeiten der New Economy, als zunehmend mehr Privatanleger in Aktienfonds investierten und die Investmentgesellschaften in einem harten Wettbewerb zueinander standen, wurde in Deutschland die so genannten Dachfonds eingeführt. Damals war es noch so, die meisten Banken nur die Fondsprodukte ihrer hauseigenen Investmentgesellschaften anbieten konnten, doch die Kunden mit der eingeschränkten Fondsauwahl nicht sonderlich zufrieden waren. Um eine Abwanderung der Kunden zu verhindern, wurden Dachfonds eingeführt: Fonds, die in andere Fonds investieren. Auf diese Weise wurde ein völlig neuartiges Konzept geschaffen. Über nur einen einzigen Dachfonds konnten die Anleger an der Performance zahlreicher - meist besonders namhafter Fonds - partizipieren. In der Fernseh- und Printwerbung wurde dieses Anlageprinzip sehr häufig an Kuchen- und Pizzastücken veranschaulicht. Dem Kunden sollte klar gemacht werden, dass er sich die Sahnstücke bzw. seine Lieblingsfonds heraussuchen und somit an deren Performance partizipieren kann. Doch in der Praxis sah es ein klein wenig anders aus. Es ist nicht so, dass der Kunde bzw. der Privatanleger selbst bestimmen kann, in welche Fonds ein Dachfonds investiert. Stattdessen wird die Auswahl von den Investmentgesellschaften bzw. den jeweiligen Fondsmanagern getroffen. Der Anleger kann lediglich aus einer gewissen Anzahl an Dachfonds auswählen, die sich beispielsweise einem bestimmten Anlagethema widmen. So gibt es zum Beispiel Dachfonds die global anlegen, da sie Fonds beinhalten, die wiederum in amerikanische, asiatische und europäische Aktien investieren.

Allerdings konnte sich das Prinzip der Dachfonds bisher nicht wirklich durchsetzen. Das liegt unter anderem daran, dass der Kauf der Fondsanteile mit ganz erheblichen Kosten verbunden ist. Im Prinzip muss der Kunde zwei Ausgabeaufschläge entrichten: nämlich einmal den Ausgabeaufschlag für die "Unterfonds" sowie den Ausgabeaufschlag für den Dachfonds. Manche Fonds wurden und werden mit Ausgabeaufschlägen von bis zu 6,5 Prozent angeboten - was wirklich sehr teuer ist. Aus diesem Grund sollten sich Privatanleger genau überlegen, ob sie solch ein Investment tätigen möchten. Im Prinzip ist ein Investment nur dann erstrebenswert, wenn man die Fondsanteile zu einem reduzierten Ausgabeaufschlag erwerben kann, da es ansonsten günstiger ist, in die jeweiligen "Unterfonds" direkt zu investieren.