Leitzinsen

Die Zinsen im Kreditbereich und auch im Bereich Geldanlagen werden von den Banken selten "willkürlich" festgelegt, sondern danach, wie teuer es für die Banken selber ist, sich rezufinanzieren. Der Maßstab schlechthin für die von den Kreditinstituten festgelegten Zinssätzen sind die so genannten Leitzinsen. Die Leitzinsen werden von der jeweils zuständigen Zentralbank festgelegt, also im Fall von Deutschland und den anderen Staaten der Europäischen Union von der Europäischen Zentralbank (EZB). Aber was genau bedeutet der Leitzinssatz? Im Zusammenhang mit den Banken stellen die Leitzinsen den Preis dar, welchen die Banken für Geld zahlen müssen, welches sie sich von der EZB leihen möchten. Derzeit liegen die Leitzinsen auf einem sehr geringen Niveau von einem Prozent (Stand 1. März 2010), sodass die Banken demnach nur ein Prozent Zinsen für von der EZB geliehenes Kapital zahlen müssen. Für die Kunden haben die niedrigen Leitzinsen somit zwei Auswirkungen: die Banken vergeben zum einen relativ preiswerte Kredite bzw. sie sollten es zumindest tun, zum anderen bekommt man als Anleger aber kaum noch Zinsen auf Sparkonten oder für eine Tages- und Termingeldanlage. Niedrige Leitzinsen sind also stets positiv für Kreditnehmer und negativ für Anleger, während sich das Blatt bei hohen Leitzinsen dementsprechend wendet. Während die Leitzinsen also für die Banken einen Maßstab zur Festsetzung der Anlage- und Kreditzinsen darstellen, haben die Leitzinsen zudem noch eine sehr wichtige volkswirtschaftliche bzw. gesamtwirtschaftliche Aufgabe. Die EZB kann nämlich durch die Leitzinsen bzw. durch die Höhe des Leitzinssatzes indirekt die Wirtschaft und deren Entwicklung beeinflussen. Dieses geschieht vor allen Dingen über die Steuerung der Geldmenge, die durch ein Verändern der Leitzinsen erreicht werden kann. Auch hier bietet sich die derzeitige Situation Anfang 2010 als gutes Beispiel zur Verdeutlichung an. Seit rund 1,5 Jahren befindet sich fast die gesamte Eurozone in einer Rezession, sodass die EZB den Leitzinssatz schon mehrmals senkte, bis zum Tiefstand von einem Prozent. Das Senken sollte bewirken, dass die Talfahrt der Wirtschaft gebremst wird, und zwar konkret durch weniger Sparen und eine vermehrte Kreditvergabe. Durch die niedrigen Leitzinsen können sich nämlich Banken wie zuvor erwähnt billiger Geld von der EZB leihen und an die Kunden preiswertere Darlehen vergeben.

Daher müsste die Nachfrage seitens der Kunden steigen und dafür sorgen, dass mehr investiert und konsumiert wird, sowohl im privaten als auch im gewerblichen Bereich, was dann der Rezession entgegen wirken sollte. Durch ein Senken der Leitzinsen möchte die EZB also die Geldmenge erhöhen. Befindet sich die Wirtschaft hingegen in einem Hoch, werden die Leitzinsen genau gegenteilig eingesetzt, der Zinssatz wird also erhöht, um dem Markt Geld zu entziehen und den Boom und vor allem die Inflation einzudämmen.