Short Sell

Der "Normalfall" beim Handel mit Aktien stellt sich so dar, dass der interessierte Anleger bestimmte Aktien kauft, welche dann im Folgenden als Bestand in das Wertpapierdepot eingebucht werden. Generell hofft man durch den Kauf von Aktien eine Rendite in Form von möglichen Kursgewinnen zu erzielen, man hofft demnach auf zukünftig steigende Aktienkurse. Was aber passiert wenn man der Meinung ist bzw. viele Experten davon ausgehen, dass sich die Kurse am Aktienmarkt insgesamt oder auch die Kurse einzelner Aktien eher nach unten bewegen? Wie kann man in dieser Situation dennoch in Aktien investieren und Gewinne erzielen? Die Antwort lautet: Short Sell. In der Fachsprache unterteilt man die Bestände an Wertpapieren in "long" und "short". Der Begriff "long" bezeichnet dabei die normale Bestandsposition, wenn man also Aktien erworben hat und diese im Depot als Bestand verbucht werden. Der Begriff "short" bezeichnet hingegen die Tatsache, dass der Anleger einen Minusbestand hat, er der Bank oder dem Broker sozusagen bestimmte Aktien schuldet. Im übertragenen Sinne ist demnach ein Short-Bestand einem Sollbestand auf dem Girokonto gleichzusetzen, also einer Überziehung des Kontos. Der Short Sell ist demzufolge der Verkauf von Wertpapieren, welche der Kunde gar nicht im Bestand hat. Dieser Verkauf führt dann zu der bereits angesprochenen Short-Position im Depot. Der Sinn und Zweck von einem Short Sell ist genau dem "normalen" Zweck eines Aktienkaufs gegenüber gestellt. Denn wenn man Aktien short verkauft, auch als Leerverkauf bezeichnet, dann hofft man nicht auf steigende sondern auf fallende Kurse. Da man nämlich Aktien verkauft hat, die man nicht besitzt, muss man bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft diese Short-Position durch den kauf der Aktien auch wieder ausgleichen. Sollte man die Aktien dann zu einem niedrigeren Kurs kaufen können, als man sie zuvor im Rahmen vom Short Sell verkauft hat, hat man so einen Kursgewinn erzielt. Es ist übrigens nicht automatisch so, dass man als Kunde Aktien short verkaufen darf.

Es ist dazu eine Vereinbarung mit der depotführenden Bank bzw. dem Broker notwendig, denn das Erlauben von Short-Verkäufen stellt seitens der Bank natürlich in gewissem Sinne eine Kreditvergabe dar. Hat man zum Beispiel 100 Aktien zu einem Kurs von 80 Euro short verkauft und muss man sich mit diesen Aktien dann nach einigen Wochen aufgrund gestiegener Kurse zu einem Kurs von 100 Euro je Aktien wieder "eindecken", die Aktien also kaufen, wäre das ein Verlust von 2.000 Euro. Somit stellt ein Short Sell natürlich immer auch ein deutliches Risiko dar, weil man nicht unbegrenzt Zeit hat, die Aktien wieder zu kaufen.